Stein und Wein

boden, soil, erde, terroir

Wie ist das eigentlich mit den Steinen im Weingarten?
Sind diese unbedingt notwendig um großen Wein zu erzeugen?

Rebwurzeln können keine Steine aufnehmen: jedoch verschiedenste Mineralien. Wenn man so zum Beispiel Wein von einem sehr humosen Boden keltert, wachsen die Reben sehr gut, eigentlich zu gut, es werden dadurch weniger Mineralien aufgenommen, eher organische Verbindungen. Auf meinen privaten Weinreisen habe ich gemerkt, dass große und gute Weine nicht unbedingt von Böden stammen, die fast nur aus Steinen bestehen. Es gibt genauso gute Weine von Schwemmlandböden, sandigen Böden, lehmigen Böden, usw.. Es ist eine etwas einseitige Meinung, dass die guten Weine nur von dort kommen können wo nur Steine vorhanden sind.

Ich bewirtschafte hier am Buchertberg zum Beispiel urzeitliches Schwemmland. Ein Urmeer das dann verlandete, bildete die Grundlage für den Boden, den ich bewirtschaften darf (man muss das wirklich als „darf“ bezeichnen, denn es ist nicht immer klar, dass man eine bestimmte Lage, einen bestimmten Boden, pflegen kann). Der Boden hier ist sehr sandig, somit sehr leicht und immer wieder mit kalkhaligen Sandsteinen durchzogen. An verschiedenen Teilen der Lage findet man auch Kies.

Sowohl im Rheingau, direkt am Fluss Rhein, befinden sich reine Schwemmlandböden. Natürlich sind diese auch mit Kies durchsetzt. Das Kies zum Beispiel muss erst verwittern, damit eine bestimmte mineralische Komponente stärker im Wein schmeckbar wird. Dort gibt es tolle Rieslinge, aber auch sehr gute Spätburgunder (Pinot Noir).

Auch zum Beispiel im Mittelburgenland: hier dominieren schwere (teilweise sehr schwere) Lehm- und tonige Böden. Perfekt für Rotweine wie man immer hört. Jedoch: Rotweintrauben wachsen überall, und immer mit einer anderen Ausprägung des Terroirs. Wieso denn nicht auch mal Rotwein vom sandigen Boden? Dieser wird dann leichter, filigraner, kann aber genauso Komplex aufallen. Hier könnte ich meine Aufzählungen bis ins unendliche fortsetzen. Es liegt schlussendlich nur am Konsumenten.

Wie ist das Ganze beim Pinot Noir? Manche behaupten, dass großer Pinot Noir nur von kalkhaltigen Böden stammen kann. Wenn das jemand von der Ahr (Deutschland) hört, dann müsste sich dieser sofort im Grab umdrehen, denn dort wachsen die Spätburgunder vor allem auf Schiefer. Und hier am Buchertberg – hier habe ich wieder ganz andere Vorraussetzungen.

Was ich damit sagen will ist, dass Reben nicht direkt von Steinen leben können. Sie brauchen immer ein Verwitterungsmaterial. Sand zum Beispiel kann man als sehr kleine Steine sehen. Ton ist noch feiner. Jeder Boden hat seine eigene Ausprägung und keiner ist besser als der Andere, außer jedoch sehr humose Böden.

Facebook Comments
Share Button

I am the winemaker @ the HERRENHOF

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.