Der echte Lagenwein

GB_0816_Buchertberg_c-Lamprecht

Der echte Lagenwein?
Vielleicht ist es besser wenn man sagen würde: „der eigentliche, oder der tatsächliche Lagenwein“?

Es gibt viele Lagenweine. Die meisten davon bestehen aus einer Rebsorte und werden zu einem bestimmten Zeitpunkt geerntet. Es gibt viele Ansichten, wie reif die Trauben für einen Lagenwein sein müssen. Das ist aber nicht worauf ich hinaus will.
Alle reden vom Herkunftswein. Es sind die Besten.  Ziemlich jeder Winzer hat einen, oder mehrere. Jede Sorte kann zu einem Lagenwein ausgebaut werden. Obwohl nicht jede Sorte die Eigenschaft besitzt, eine Lage, den Weingarten, das Kleinklima an sich, in die Flasche Wein zu transportieren. Ob nun Weißburgunder, Sauvignon blanc oder Riesling, das ist egal. Jede Rebsorte besitzt ihre Eigenheit – aber genau das aber ist das Problem!

Ein Problem?

Ein Beispiel: ein Riesling hat natürlich die Eigenschaft eine Lage, einen Weingarten in einer Flasche wiederzugeben. Jede Lage, jedes Gebiet hat einen eigenen Geschmackstypus. Sogar auf einer Lage gibt es Unterschiede: ob die Trauben nun weiter unten, oder weiter oben geertnet werden, beeinflusst den späteren Wein. Aber im Prinzip ist immer Riesling erkennbar. Mit mehr oder weniger Terroirausdruck. Beim Gemischten Satz ist das anders. Hier schmeckt man nicht nur eine Sorte. Und wenn, dann ist es ein schlechtes Beispiel. Der Gemischte Satz hat die Eigenschaft eine gesamte Lage, den Geschmack des Bodens, das Kleinklima, das regionale Klima noch besser und intensiver wiederzugeben.

Der Grund ist, da nicht nur eine Sorte das „goût de terroir“ wiederspiegelt, sondern viele. Jede Rebsorte nimmt ein gewisses Stück vom Boden mit in die Trauben. Achtung: das können nur hochwertige Rebsorten! Jede Rebsorte ist da natürlich anders. Aber das Gesamte, das Gesamtkonzept eines solchen Weines ergibt den echten und wahren Terroirwein, da durch jede Rebsorte, die im Gemischten Satz steht, ein eigener Ausdruck des Bodens, des gesamten Umfeldes mit in die Flasche kommt. Man kann das mit einem Orchester vergleichen. Ein einzelner Musiker bringt gewisse Töne, eine Melodie zu stande. Ein Orchester dagegen ist unvergleichlich. Viel komplexer, immens vielschichtiger, viel intensiver. So auch beim Wein.

Der Urgedanke des Gemischten Satzes..

Der Urgedanke war allerdings immer und jedes Jahr eine Ernte zu haben. Ein toller Gedanke, vor allem für die Zukunft (Klimawandel), wollte man doch immer Wein haben, auch wenn die Witterung, das Jahr an sich für gewisse Sorten überhaupt nicht gepasst hat. Aber man hatte immer Wein. Das war wichtig, denn Wein war haltbarer als Wasser. Wasser verdarb und Menschen starben, weil es mit Keimen verseucht war. Wein blieb Wein. Aber der Gemischte Satz hat eine große Eigenschaft, die eigentlich in der Weinwelt überhaupt noch nicht wirklich durchgedrungen ist. Es ist dessen Eigenschaft durch eine Vielzahl an Rebsorten, eine Lage noch viel besser interpretieren zu können. Bei diesem Gedanken tun sich viele schwer es zu verstehen. Denn dieser Gedanke macht den hochwertigen Gemischten Satz zu einem intellektuellen Produkt. Man muss nachdenken, um ihn begreifen zu können. Ob es im Endeffekt Rot- oder Weisswein ist, ist ziemlich egal. Beim Orangewein ist es überhaupt die Frage, ob es soetwas wie einen Herkunftsgeschmack gibt. (Ich höre bereits die ersten Aufschreie!) Trotzdem bin ich der Meinung dass Orange-Weine viel weniger die Eigenschaft besitzen einen Ort in Form von Wein zu wieder zu geben. Diese Weine werden momentan extrem gehypt. Das wird sich langsam legen. Das Problem dieses Weintyps sind die Oxidationoten. Aromen, die die Herkunft representieren sind oxidationsanfällig. Diese muss man schützen.

Einen guten Gemischten Satz in die Flasche zu bringen, einen solchen der einen Weingarten wiederspiegelt, schaffen nur wenige. Wien hat den Gemischten Satz, zumindest in Österreich wieder populär gemacht. Das ist gut so. Seit dem wissen die Leute, dass es sowetwas gibt. Über deren Umsetzund kann man allerdings streiten. Es gibt nur wenige sehr gute und aussagekräftige Vertreter. Dort hat man sogar eine eingene DAC für den Gemischten Satz erstellt. Das DAC-System allerdings ist Stoff für eine andere Diskussion. Marcel Deiss ist der Mann, einer der wenigen, der begriffen hat welches immense Potential im Gemischten Satz steckt. Außerdem hört von alten Weingärten aus Nordamerika, die älter sind als alles hier bekannte – diese Weingärten wurden damals alle gemischt ausgepflanzt (hauptsächlich rote Rebsorten). Der Gemischte Satz ist ein altes, weltweites Phänomen. Die allerersten Weingärten wurden in dieser Form ausgepflanzt. Es handelt sich um einen „Weingartenstil“, dem mehr Beachtung geschenkt werden muss.

 

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