Archiv für die Kategorie „Discussion“

Wege der Biodynamie

Mittwoch, 28. Juli 2010

Biodynamie, was ist denn das? Ich möchte es euch in eigenen Worten beschreiben, denn die Erklärungen, die im Internet zu finden sind, sind meist verwirrend. Es ist für mich die Wiederherstellung des Lebendigen auf Grund und Boden, der durch die Bewirtschaftsformen in den letzten Jahrzehnten vieles und vor allem Bodenfruchtbarkeit und das “Leben” an sich verloren hat. Das gilt es zu erneuern. Ist dieser Raum wieder intakt, mit Hilfe der Biodynamie natürlich, dann kann die Pflanze wieder optimal und gesund wachsen, bzw. liefert hochwertigste Früchte. Ob dies nun Trauben sind oder nicht, ist ziemlich egal. Und alles was nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich hochwertig ist, tut dem Menschen gut und belebt seinen Geist. Hier stimmt der Spruch wirklich, im Gegensatz zu anderen so propagierten Produkten.
Der Weinbau hat in der Biodynamie einen gewissen Sonderstatus. Hier ermöglicht sie es mehr Boden und Herkunft in die Flasche zu bringen. Und das ist für mich das Wesentliche. Nichts weiter.

Doch viele Dinge in diesem Bereich sind auch für mich unklar. Die Vergötterung von Rudolf Steiner zum Beispiel. Einer der letzten Multigenies die es gab, der übrigens nicht nur für die Landwirtschaft gedacht hat. Er war ein Freigeist und so sollten auch die Leute meiner Meinung nach seine Aufzeichnungen übernehmen. Im freien Geist seine Ideen WEITERentwickeln und nicht starr zitieren und im Stillstand verweilen. Heutzutage verändert sich alles recht schnell. Auch der biodynamische Bereich muss sich hie und da anpassen. Es hat oft den Anschein als treffen Esoteriker und Praktiker aufeinander. Ich bin Praktiker, deshalb entscheide ich mich nicht für den esoterischen Weg, den manche einschlagen. Man muss nichts messen um zu merken, dass alles gut gedeiht und in Ordnung ist. Etwas in Zahlen auszudrücken bringt oft nur ein Durcheinander. Die Esoterik verwirrt mehr als dass sie wirklich hilft. Des weiteren beobachte ich das “kochbuchhafte” Arbeiten vieler, die Schritt für Schritt von A nach B arbeiten, ohne zu bemerken, dass B vielleicht gar nicht notwendig ist und C schon sein müsste. Der riesige Aufwand zum Beispiel, den manche betreiben ist ein Faktum, das ich nicht für notwendig erachte. Biodynamie braucht nicht viel Aufwand um zu sein. Das bilden sich manche nur ein.
Ich lasse die Dinge laufen. Vielleicht arbeitet die Natur dann auch mal für mich. Ich denke das tut sie schon die ganze Zeit..

Wieso Gemischter Satz in Zukunft rockt!

Mittwoch, 30. Juni 2010

vienna traditional field blend

Abseits von der Fussballweltmeisterschaft und des herrlichen Wetters eine kleine Homage an eine fast vergesse Form des Weinbaues.

Was ist ein echter gemschter Satz? Darunter versteht man im eigentlichen Sinn Weingärten, die nicht reinsortig, sondern gemischt ausgepflanzt werden. Mehrere Sorten stehen nebeneinander. Die Lese erfolgt nicht separat sondern zu einem bestimmten Zeitpunkt gemeinsam. Es ergeben sich daraus, wenn man es richtig macht (und auch so will), hochkomplexe Weine, die nicht dominiert von einer Rebsorte, die lokalen Gegebenheiten, sprich das Terroir als Gesamtes perfekt wieder geben können. Grundsätzlich ist das nichts Neues, sondern die urprünglichste Art Weingärten zu pflanzen und Wein daraus zu gewinnen. Und das wusste schon Olivier de Serres, der Agrarminister von Heinrich des IV, der vor 500 Jahren übrigens meinte: “Dank an die Vielfalt, es gibt jedes Jahr Ernte”. Da ist was dran.

Umstritten ist Marcel Deiss, der Verfechter des gemischten Satzes im Elsass. Manche meinen seine Vorgehensweise sei zu radikal. Das stimmt eigentlich nicht, denn das was er auf seinen besten Lagen, den Premier und Grand Crus macht ist der gemischte Anbau mehrerer hochwertiger Sorten und die Bezeichnung der Weine NUR nach ihrer Herkunft. In den letzten Jahren hat sich das “Weindenken” hin zu einem Sortendenken und leider weg von einem Herkunftsdenken entwickelt. Das ist Schade, denn den Ruhm den viele Weingegenden heute noch haben beruht einzig allein durch die Herkunft, durch die hochwertigen Lagen und der daraus resultierenden Weine. Die Rebsorte war meistens im Hintergrund und wurde nicht erwähnt. Man darf nicht vergessen, dass es sich um hochwertige Rebsorten handeln muss, die im Verband gepflanzt werden. Alles andere ergibt “Schoppenwein”, bzw. sehr einfachen Wein.

Interessantes Beispiel Wien: in den letzen Jahren weinbaulich aus dem Dornröschenschlaf erwacht haben sich dort Weingärten erhalten, die allesamt in Österreich in dieser Art die letzten 30 Jahre kompromisslos gerodet wurden. Am Nussberg oder auch am Bisamberg gibt es alte knorrige Gärten die hochwertige Weine liefern, die komplex sind und in ihrer Art die Herkunft erkennen lassen. Der berühmte Nussberger, der Gumpoldskirchner – alles Weine aus dem Gemischten Satz. Es gibt anscheinend mehrere Gründe, wieso sich der Gemischte Satz in Wien erhalten hat. Einerseits die Nachfrage in den Heurigen Lokalen (das Wiener Pendant zum Buschenschank) über “heurigen” Wein. Dieser ist meist aus mehreren Rebsorten gekeltert, jedoch selten hochwertig. Andererseits glaube ich auch, dass es die sogenannte Wiener Gemütlichkeit ist, die die Winzer nicht angetrieben hat, alle Weingärten neu zu bepflanzen und somit alles pur und rein(sortig) zu halten.

Und in der Steiermark? Den “altsteirischen Mischsatz”, einen Wein, der sehr sehr üblich war, gibt es heute leider fast nicht mehr. Der Fortschritt, der die Winzer motivierte alles rein(sortig) und mit rein(Zuchthefe) auszubauen, hat dazu geführt, dass uralte meist hochwertige Bestände gerodet wurden und mit internationalen Sorten wie Sauvignon blanc und Chardonnay zugepflastert wurden. Leider hat man sich so selbst aufs international austauschbare Gleis gestellt. Der aktuelle Hype authochtoner Sorten inkl. dem Gemischten Satz in Österreich lässt die Steiermark momentan weitgehend aus. Das wissen viele, aber man redet nicht darüber.

Apropos Klimawandel: Experten rechnen in Zukunft nicht nur mit einem Anstieg der Temperaturen, nein, es sollen auch die Extremwettersituationen zunehmen: große Hitze, extreme Kälte, Trockenheit, viel Regen, wenig Niederschlag… all das kann Weingärten sehr stressen oder gar die Ernte zerstören. Deshalb liegt die Berechtigung des “old school” Gemischten Satzes liegt auf der Hand: Ausgleich der in Zukunft extremeren Wetter/Witterungsschwankungen. Mehr Harmonie im Gesamten Weingarten. Mehr Herkunft, mehr Terroir. Was gibt es dagegen noch zu sagen? Nichts, denke ich mir.

Links:
Artikel zum Thema von Christian Schiller
Six-to-nine blog von Peter Vechiatto

(Bildinfo: ein echter Gemischter Satz am Wiener Nussberg, das Rosengartl, wie auch neuerdings am hauseigenen Buchertberg)

Megatrend Regionalität

Donnerstag, 3. Juni 2010

Ich nutze die regnerischen Tage hier in der Steiermark um über ein ganz wichtiges Thema zu schreiben. Regionalität ist der Trend der Zukunft, so heißt es. Wir sind mittlerweile an dem Punkt angelangt, an dem die materialistische Bereicherung die Leute nicht mehr glücklicher macht. Ganz im Gegenteil, Entspannung, Natur, das Grün und lokale Produkte sind immer mehr gefragt. Unendliches Wirtschaftswachstum gibt es nicht, das müssen so manche Business Leute erkennen. Als man noch glaubte bestehende kleine Strukturen den Todesstoß geben zu müssen, erleben diese wieder eine Renaissance. Familienbetriebe zeigen vor, dass Produkte wieder einen Bezug zum Menschen haben und nicht in den anonymen Hallen einer Lebensmittelfabrik entstanden sein müssen.
Das ist der Grundgedanke des steirischen Vulkanlandes. Ziel ist es Menschen in die Region zu holen, sie zum Entdecken einzulanden, aber weit ab vom gedankenlosen Massentourismus. Für den ist das Vulkanland viel zu “slow” und das ist auch gut so.
Die Region und Herkunft eines Produktes ist statistisch gesehen schon wichtiger als sein Preis. Nebenbei ist der Transport von Lebensmitteln ein großer Verursacher von CO2 Emission. Das kann man verhindern, in dem man zum nächsten Bauern fährt und die spanischen Erdbeeren, oder neuseeländischen Äpfel im Supermarkt sein lässt. Handelsketten springen übrigens auch auf den “Regional”-Zug auf: doch Produkte billig anbieten und einfach regionale Texte draufschreiben ist zu wenig. Das ist nicht authentisch und gaukelt dem Konsumenten etwas vor, das der Wirklichkeit nicht entspricht.
Wenn das Lebensmittel wieder “Lebens”-Mittel wird, dann ist schon viel geschafft. Das gilt auch übrigens für Wein. Nicht als Lebensmittel, sondern ausgestattet mit Unverfälschtheit und Echtheit.

Gutes und schlechtes Weingartenmanagment

Samstag, 15. Mai 2010

Frühjahr:
die Reben treiben aus, die Weingärten fangen wieder zu sprießen an, werden grün, die Arbeit beginnt von Neuem. Ich möchte hier alle Leser etwas hinter die Kulissen führen. Weingärten sind nicht gleich Weingärten. Die Wertigkeit eines Weingartens definiert sich durch seine besondere Lage, den Boden, das Mikroklima und auch durch die Bewirtschaftungsform.
Hier einige Snapshots von guter und schlechter Bewirtschaftung:

naked soil
Sehr intensive Bodenbearbeitung. Keine Bodenbedeckung oder Begrünung. Massiver Humusabbau.

too intense ploughing
Tiefe Bodenbearbeitung, die die Erosion fördert. Keine Belebung des Bodens.


Vielfältige Begrünung, Klee, mechanische Unterstockbearbeitung

herbicides
Herbizidanwendung: Zerstörung des Bodenlebens. Schwächung der Reben.

steep hills
Steillagen: Pflanzen unter den Stöcken und in der Reihe als Erosionsschutz und Förderung der Biodiversität.